Ijoma Mangold
© Christian Werner

Gast des ilb 2012, 2021.

Bibliographie

Sehr wahrheitsgemäße Bekenntnisse eines fernsehaffinen Literaturkritikers
In: Alexander Wasner [Hg.]: Ich möchte lieber doch. Fernsehen als literarische Anstalt
Wallstein
Göttingen, 2008


Das war meine Rettung
50 Persönlichkeiten erzählen von Wendepunkten in ihrem Leben
[Mit Herlinde Koelbl u. Louis Lewitan]
Edel
Hamburg, 2012


Das deutsche Krokodil
Rowohlt
Reinbek, 2017


Der innere Stammtisch
Rowohlt
Hamburg, 2020

Ijoma Mangold [ Deutschland ]

Der Literaturkritiker, Autor und Herausgeber Ijoma Mangold wurde 1971 in Heidelberg geboren. Die Familie seiner Mutter stammt aus Schlesien, sein Vater aus Nigeria. Bereits im Jugendalter war Literatur seine Leidenschaft und seine Lieblingslektüre Marcel Prousts »Auf der Suche nach der verlorenen Zeit«. Er studierte Literaturwissenschaft und Philosophie in München, Berlin und Bologna. Nach Stationen bei der »Berliner Zeitung« und der »Süddeutschen Zeitung« wurde er 2009 stellvertretender Leiter des Feuilletons der »Zeit« und stand dem Ressort Literatur vor, bis er dort kulturpolitischer Korrespondent wurde. Er war Jurymitglied bei den wichtigsten Preisen für deutschsprachige Literatur, unterrichtete Literaturkritik an der Universität Göttingen und im US-amerikanischen St. Louis. Auch im deutschen Fernsehen trat er als Literaturkritiker in Erscheinung.
2012 porträtierte er zusammen mit Herlinde Koelbl und Louis Lewitan in »Das war meine Rettung« »50 Persönlichkeiten am Wendepunkt ihres Lebens«. 2017 erschien Mangolds Autobiografie »Das deutsche Krokodil«, in der er vor allem über seine vaterlose Kindheit als »Mulatte« in der Bundesrepublik der siebziger Jahre und seine familiären Wurzeln reflektiert sowie über das große Thema der »Fremdheit bei totaler Assimilation« (»taz«): »Dieses etwas übertriebene gestochene Hochdeutsch, das ich so schnell anschlage und spreche, ist, glaube ich, auch der Versuch immer gewesen: Ich sehe nicht aus wie ein Deutscher, aber lasst mich nur einen Satz sagen, dann werdet ihr keinen Zweifel mehr an meinem Pass haben.« Drei Jahre später veröffentlichte Mangold »Der innere Stammtisch« (2020), die politische Anthropologie eines Intellektuellen, der sich selbst beobachtet und dem Widerhall der gegenwärtigen Ereignisse in sich nachspürt, ihn beschreibt und reflektiert. Motto des Buches ist ein Satz von Hannah Arendt: »Denken ist dies Durchsprechen einer Sache mit sich selbst.« Das Verfassen dieses Tagebuchs, das den Zeitraum September 2019 bis April 2020 umfasst, hatte also vornehmlich zum Ziel, einer Reflexreaktion auf politische Entwicklungen und gesellschaftliche Umstände zu entkommen und zu untersuchen, auf welchen weltanschaulichen Grundlagen und mithilfe welcher Mechanismen sich Meinungen herausbilden. Zu den dominierenden Themen dieser Reflexionen gehören u. a. die Bewegung »Fridays for Future«, die Corona-Pandemie mit den daraus resultierenden Reaktionen sowie der Rassismus im Alltag. Mangold äußert dabei Misstrauen gegenüber Gesinnungspolitikern jeglicher Couleur und vermeintlich unverrückbaren Gewissheiten, die nicht hinterfragt werden dürfen, sowie gegenüber den Behauptungen moralischer Überlegenheit.
Mangold wurde 2007 mit dem Berliner Preis für Literaturkritik ausgezeichnet. 2020 war er Stipendiat der Villa Aurora. Seit Juli 2020 ist er bei der »Zeit« einer der Moderatoren des Podcasts »Die sogenannte Gegenwart«. Er lebt in Berlin und in der Uckermark.

https://diesogenanntegegenwart.podigee.io/